Stefanie Kremser
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Tatort Wolf im Schafspelz

© br

 Wolf im Schafspelz (BR 2002), mit Franz-Xaver Kroetz als verhärmten Schafzüchter, der sein Leben lang ein Geheimnis verbergen musste und nun kurz davor steht, alles zu verlieren. Die Kommissare Ivo Batic (Miro Nemec), Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Carlo Menzinger (Michael Fitz) haben es mit den wortkargen Eigenbrötlern des Stadlerhofs - eines der letzten Höfe am Stadtrand von München - nicht leicht. Mit Hussi Kutlucan, Claudio Caiolo, u.v.a. -- Regie: Filippos Tsitos 

 


"Das ist die Klasse dieses bemerkenswerten Drehbuchdebüts: das ausbalancierte Spiel der Bilder und Abbilder, der Dinge - und der Dinge dahinter." SÜDDEUTSCHE ZEITUNG


Dieser Tatort wurde auf dem Filmfestival "Criminale" vorgeführt (München 2002) und ist auch als Tatort Hörbuch erhältlich (Der Audio Verlag 2007)

 


Drehbuchauszug

Batic und Leitmayr verhören den Schäfer Santini. Vor wenigen Stunden wurde vor dessen Wohnwagen sein Kollege Jost Schulze, ebenfalls Angestellter des Stadlerhofes, erstochen aufgefunden.


Panzerwiese                             Außen/Tag      

Ein Hund knurrt mit gebleckten Zähnen und aufgestellten Nackenfell, Leitmayr und Batic stehen vor ihm auf der Panzerwiese und wagen es kaum zu atmen. Batic kaut vorsichtig, in der Hand hält er eine dicke Wurstscheibe.

LEITMAYR:
Jetzt gib‘s ihm halt.

BATIC:
Die ist wirklich gut!

LEITMAYR:
Ich bitt‘ dich, Ivo.

Batic wirft dem Hund seine Wurstscheibe zu, der Hund schluckt sie gierig hinunter, bewegt sich aber nicht vom Fleck. Ein Pfeifen ertönt, und endlich rennt der Hund zur Schafherde. Erleichtert gehen die Kommissare zum Schäfer.

LEITMAYR:
Sind Sie immer hier?

SANTINI:
Frühjahr bis Herbst.

BATIC:
Und warum war das gestern anders?

SANTINI:
Ich hatte frei. Mann kann nicht immer nur arbeiten, arbeiten, das macht kaputt, man muss auch mal feiern, Wein trinken...

LEITMAYR
(unterbricht ihn):
... Ist Ihnen hier denn schon einmal etwas passiert? Wegen dem Straßenstrich, oder den Anwohnern da?

SANTINI:
Früher gab es Schafdiebe, drei, vier Mal. Jetzt ist das vorbei. Mit den Frauen habe ich keine Probleme, natürlich nicht! Ist egal, wenn sie deutsche Frauen sind oder italienische...

LEITMAYR:
Ihnen wollte da also niemand an die Gurgel?

SANTINI:
... Gurgel?

BATIC
(zu Leitmayr):
... Gurgel, so kann man das doch nicht sagen, schließlich wurde er erstochen...

LEITMAYR
(zu Batic):
Ist doch nur eine Redewendung, „an die Gurgel wollen“...

SANTINI:
Ma che cazzo é Gurgel!?

Sie laufen zum Wohnwagen.

BATIC
(zeigt auf seine Kehle):
Das ist die Gurgel. Jemanden an die Gurgel wollen bedeutet...
(er fährt seinen Zeigefinger über die Kehle)
Die Messersammlung in Ihrem Wohnwagen, gehört die Ihnen?

SANTINI:
Wir haben alle unsere Messer, braucht man immer.
(holt seines aus der Hosentasche und läßt es aufschnappen):
Aus Sardinien, ich kann Ihnen welche besorgen, wenn Sie wollen...

LEITMAYR:
... Nein danke.

Der Sicherungsbeamte I schaut aus dem Wohnwagen. Batic, Leitmayr und Santini gehen zum ihm. Santini pfeift seinem Hund ein Signal zu.

SANTINI
(zeigt auf das eingepackte Essen):
Grazie.
(nimmt es Leitmayr aus der Hand):
Wo soll ich eigentlich schlafen, heute Nacht?

Sie steigen in den Wohnwagen.


Wohnwagen                            Innen/Tag      

Santini sitzt auf dem Bett und läßt seine Fingerabdrücke nehmen.

LEITMAYR:
Wer wusste, dass Schulze letzte Nacht auf der Weide war?

SANTINI:
Das kann man auch nach dem Essen machen. Das geht nicht weg, eine Schweinerei...

LEITMAYR
(unterbricht ihn):
...Wer wusste, dass Schulze letzte Nacht auf der Weide war?

SANTINI:
Auf dem Hof... alle.

Der Spurensicherungsbeamte reicht Santini ein paar Papiertaschentücher und packt zusammen. Santini steht auf und angelt nach seinem Essen, das neben Leitmayr auf einem Stuhl liegt.

BATIC:
Herr Santini, sehen Sie sich doch bitte mal genau um. Fällt Ihnen irgend etwas auf?

SANTINI:
Was soll mir auffallen?

BATIC:
Ist was verändert? Fehlt was?

Santini sieht sich um und schüttelt den Kopf. Leitmayr beobachtet, wie Santini hungrig sein Essen auspackt und die Schublade öffnet.

LEITMAYR:
Wo waren Sie gestern Nacht?

SANTINI:
... Eh, meine Messer sind weg, alle! Die brauche ich, die sind wichtig für meine Arbeit, ständig gehen mir die Messer kaputt...

BATIC:
... Die kriegen Sie ja wieder, die sind bei uns.

LEITMAYR:
Wo waren Sie gestern Nacht?

SANTINI
(fasst einen Hühnerschenkel mit seinen schwarzen Fingern an):
Zuhause. Auf dem Hof.

Stille. Die Kommissare sehen sich an. Santini bemerkt kauend ihre Blicke.

SANTINI:
Wollen Sie auch was? Ist lecker.

BATIC:
Aber Sie sagten doch, es war Ihr freier Abend. Nicht immer nur arbeiten, arbeiten... Sie waren doch unterwegs.

SANTINI:
Ja, richtig. Aber in der Nacht war ich zuhause.

LEITMAYR:
Wann waren Sie zuhause?

SANTINI:
No lo só, ein... zwei.

LEITMAYR:
Zwei.

SANTINI:
Zwei.

BATIC:
Und davor?

SANTINI:
Am Abend war ich bei einem Freund.

LEITMAYR:
Welcher Freund, Herr Santini!? Jetzt reißen Sie sich mal zusammen, es geht hier um Mord, das ist ein ernstes Verhör! Wir reden hier nicht über irgendwelche Schafe oder über Sardinien. Sie verhindern hier Polizeiarbeit! Wissen Sie, dass Sie sich damit verdächtig machen? Wir könnten Sie festnehmen!

Santini sieht Leitmayr kauend an.

SANTINI:
Vittorio.

Leitmayr windet sich genervt.

BATIC:
Welcher Vittorio?

SANTINI:
Der vom Viktualienmarkt.


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