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Kleine Herzen (BR 2007) - der erste Münchener TATORT traurigerweise ohne Michael Fitz -, ist ein Psychodrama über eine Achtzehnjährige (Janina Stopper), die ihren schwierigen Alltag als alleinerziehende Mutter bewältigen muss und daran zu zerbrechen droht. Mit Eisi Gulp, Django Asül, u.v.a. -- Regie: Filippos Tsitos →
"Ein großartiger Film ... So eindringlich und leise kam ein Krimi der Wirklichkeit selten nahe." NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG
"Regisseur Filippos Tsitos... und Drehbuchautorin Stefanie Kremser haben hier einen ganz stillen, leisen Fernsehfilm geschaffen, in dem nur wenig Äußerliches passiert... In filmischen Minimalismus, ohne jeglichen Aufwand. Das hat etwas Bewegendes. Etwas Schockierendes." DER TAGESSPIEGEL
Nominiert für den Adolf-Grimme-Preis 2008 in der Kategorie Fiktion
Nachwuchspreis im Rahmen des Bayerischen Fernsehpreises sowie New Faces Award im Rahmen des Deutschen Filmpreises 2008 für Janina Stopper
Drehbuchauszug
Anne muss sich zwischen Arbeit und einem ihrer Nebenjobs um ihren Sohn Tim kümmern. Sie hat bereits vergeblich versucht, ihn nach dem Kindergarten bei einer Nachbarin unterzubekommen - sie weiß nicht mehr, wohin mit dem Kind und ist komplett überfordert:
Bus Innen+Außen/Tag
Anne fährt mit Tim durch München. Sie hält eine Burger Tüte auf dem Schoß und schiebt sich lustlos ein paar Pommes in den Mund. Tim turnt auf den Sitzen herum, die Passagiere schauen wortlos zu. Auch der Busfahrer beobachtet sie durch den Rückspiegel.
ANNE: Tim. Komm her. Tim!
Fast wäre Tim beim Bremsen des Busses hingefallen.
ANNE: Tim! Benimm dich!
BUSFAHRER: (ins Mikrofon) Sie da! Passen’s bittschön auf Ihr Kind auf!
Einige ältere Fahrgäste glotzen, andere, jüngere, schauen betont weg. Anne geht beschämt vor zu Tim, der am Fenster herumturnt.
ANNE: (streckt die Hand aus) Tim, jetzt komm.
Tim weigert sich grinsend, ihre Hand zu fassen.
ANNE: Tim, wir müssen.
TIM: Nein!
Tim versucht, sich zwischen den Sitzen zu verstecken, und Anne verliert die Geduld.
ANNE (zieht ihn energisch zu sich) Komm her, hab ich gesagt!
TIM: Neiiiin!!!
Während sie ihn aus der Sitzbank rauszieht, drückt sie den Halteknopf. Sie zieht Tim hinter sich her, der plötzlich anfängt, sie zu treten. Alle schauen zu.
ANNE: (hilflos) Tim… jetzt lass das. Komm, wir müssen gleich aussteigen… (er tritt sie weiter) Bitte… (verzweifelter) Tim!
Der Bus hält. Mit Tränen in den Augen zerrt Anne Tim an einem Arm aus dem Bus…
Straße ohne Verkehr Außen/ Tag
… und Tim haut ihr wütend auf den Rücken. Die Passagiere schauen ihr nach, der Bus fährt los. Anne greift feste nach der Hand ihres Sohnes und schleift ihn beinahe hinter sich her. Tim schreit, und als sie an einer Fußgängerampel stehen bleiben und Anne den Stoppschalter drückt, reißt er sich von ihr los und rennt über die Straße.
Anne bleibt wie angewurzelt stehen. Der Junge rennt über die Fahrbahn. Anne sieht zu. Wir hören ein heranrasendes Auto, Bremsen quietschen...
Anne schließt die Augen.
Als sie sie wieder öffnet, steht Tim vor dem gebremsten Auto. Sie geht zu ihm. Der Autofahrer steigt aufgeregt aus. Erst jetzt bemerkt Anne, dass Tim ihre Beine umklammert. Anne löst sich langsam aus ihrer Erstarrung, aber alle Geräusche scheinen wie in Watte gepackt - als höre sie nur das Blutrauschen in ihren Ohren. Die Ampel schaltet auf grün. Anne packt Tim’ Hand und geht zur gegenüberliegenden Straßenseite. Sie hat sich plötzlich verändert – als stünde sie unter Schock - und bewegt sich wie ein Automat. Anne läuft mit großen Schritten, Tim kann kaum mithalten, aber sie hält seine Hand eisern fest.
TIM (gedämpft zu hören) Aua… Aua!!
Er quengelt, doch sie schweigt. Sie erreichen das Haus von Frau Blum. Anne schließt die Türe auf, sie gehen hinein.
Haus Blum Innen/ Tag
Während Anne verwirrt die Gießkanne vom Vortag sucht und schließlich eine andere, kleinere aus einem Küchenschrank nimmt, streckt sich Tim im Wohnzimmer zu einem Porzellanpferdchen hoch. Er kann es nicht richtig fassen. In der Küche dreht Anne den Wasserhahn aus. Im OFF: Scherben zerschallen. Es ist das erste Geräusch, das Anne wieder richtig laut hört: Überdeutlich klirrt das zerbrochene Porzellan. Anne geht langsam ins Wohnzimmer und sieht, wie Tim still neben den Scherben steht. Mit ausdruckslosem Gesicht hebt sie die Scherben auf, dreht sie sich um, verlässt das Wohnzimmer und schließt die Türe ab.
Haus Blum/Veranda Außen /Tag
Anne gießt Blumen. Der eingeschaltete Fernseher ist zu hören.
Haus Blum Innen/ Tag
Tim – in einer Hand die Fernbedienung – streift durch das Zimmer und findet in einer Schublade eine Bonbonschale. Auf der Fensterbank steht die volle Gießkanne vom Vortag. Tim setzt sich mit den Lutschbonbons vor den Fernseher und zappt hypnotisiert rum. Man hört, wie die Haustüre zufällt, doch er bemerkt es nicht.
Straße bei Haus Blum Außen/Tag
Anne läuft mechanisch den Bürgersteig entlang, als ihr Handy klingelt.
ANNE: Hannes? (wacht aus Trance auf) … nein, wie abgemacht… O.k. Bis dann.
Sie ist an der Bushaltestelle angekommen. Der Bus kommt. In den Fensterscheiben spiegelt sich Annes Gesicht.
Haus Blum Innen/Tag
Tim geht zur Tür. Er kriegt sie nicht auf.
TIM: Mama?
Bus Innen+Außen/Tag
Anne sitzt im Bus und sieht aus dem Fenster. Die Stadt zieht vorbei.
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